RITA bringt's | Vegetarisches Lieferservice: Rita bringt's mit dem Lastenrad

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Vegetarisches Lieferservice: Rita bringt's mit dem Lastenrad


Vegetarisches Lieferservice: Rita bringt's mit dem Lastenrad

  • Die Presse
    15.07.2014

    Rita Huber kocht für ihr Service „Rita bringt's“ gesund und vegetarisch. Bis Ende des Jahres sollen ihre Lastenräder ganz Wien anfahren.

    Es ist, sagt Ritas Freund Max, „nicht anstrengend. Eher ein Gleiten, da gehen auch kleine Steigungen.“ Max fährt an diesem heißen Tag mit dem „Lkw“: Dem größten der Lastenräder, mit denen Rita Huber seit einigen Monaten vegetarische Mittagessen in Wien ausliefert. Mehrere Dutzend kleine Kartons Tomaten-Kokos-Curry mit Kichererbsen passen in sein gekühltes Fach vor dem Lenker. Auffallen würde er damit freilich schon: „Kleine Kinder zeigen mit dem Finger auf uns, und alte Damen schauen uns nach, weil sie so etwas nicht kennen.“

    Dabei sind Lastenräder in Wien auf dem Vormarsch, immer öfter sind Leute damit unterwegs. Merkur am Hohen Markt etwa hat zwei als Zustelldienst in Betrieb. Bei den Schwestern Jessica und Joy Wyschka, die mit ihrem Catering The Flying Fork seit Mai samstags auf dem Yppenplatz Focaccia verkaufen, dient das Lastenrad als mobiler Verkaufsstand.

    Bei Rita Huber ist es essenzieller Teil ihres nachhaltigen Konzepts. 14 Radler hat sie im Dienst, jeden Tag fahren vier oder fünf. Der Großteil hat von selbst zu ihr gefunden. Vorwiegend Studenten, die zum Teil selbst Vegetarier oder Veganer sind, die das Konzept gut finden und es schätzen, sich im Job sportlich zu betätigen. Auch ein Fahrradbote ist dabei, der Expertise in der Streckenfindung einbringt. Die Routen werden täglich nach Eingehen der Bestellungen geplant, jeder Fahrer bekommt eine ausgedruckte „Idealversion“.

    Beinahe von selbst sind auch die Kunden gekommen. Werbung gab es keine, bekannt wurde „Rita bringt's“ über Facebook und Empfehlungen.

    Der Tag beginnt für die 25-Jährige „um drei viertel vier, mit Aufstehen und Teetrinken.“ Um halb fünf steht sie in der angemieteten Küche, um halb sechs kommt der erste Mitarbeiter. „Spätestens um halb neun sind wir mit dem Kochen fertig.“ Wenn man sieht, wie viele Büros an so einem Vormittag wie selbstverständlich beliefert werden, kann man kaum glauben, wie jung die Idee ist. Selbige stammt von Hubers Schwager und Firmenpartner, Gerald Költringer. Er hat erst eine frühe Onlinedesignagentur gegründet, später die Neuwagenplattform Autogott. „Eines Tages Anfang Februar hat er mir eine Facebook-Nachricht geschickt: ,Falls du einmal ein vegetarisches Lieferservice machen willst – lass es mich wissen.‘“ Ähnliches gebe es in Salzburg, in Wien aber nicht. Huber: „Ich habe keine zehn Minuten gebraucht, um zu sagen: ,Ja, ich kündige und mach das.‘“

    Bis dahin hatte die Film- und Literaturwissenschaftlerin im Kulturbereich gearbeitet, etwa bei Kino unter Sternen. Vor einem Jahr hatte die begeisterte Köchin zusätzlich eine Ausbildung zur Ernährungstrainerin begonnen. Mit der „Kulturküche“, die sie mit zwei Freunden betrieb, hatte sie schon zuvor versucht, Kulturleuten die Kulinarik näherzubringen; 2012 holten sie in diesem Rahmen auch den internationalen Restaurant Day nach Wien.

    Eigene App ist in Arbeit

    Mit „Rita bringt's“ wollte sie eigentlich erst im Herbst starten, „aber wir haben schnell gemerkt, dass wir nur wissen, wie es geht, wenn wir es machen.“ Mit 1.April ging man in eine Testphase, feilte nach Kundenfeedback an Angebot und Zahlungssystem. Nach zwei Monaten ergab eine Erhebung, dass 70Prozent der Kunden gar keine Vegetarier sind, nur zwei Prozent leben vegan. Huber selbst lebt schon ihr halbes Leben vegetarisch. „Mir hat es mit zwölf oder 13 einfach zu grausen begonnen“, sagt die Tochter eines Salzburger Tierarzts. Gedanken über Gesundheit und Umwelt kamen erst später. „Wenn es mir schmecken würde, hätte ich heute kein Problem damit, Fleisch zu essen – solange ich weiß, woher das Tier kommt und wie es gelebt hat.“

    Ziel: Mehrere Küchen in der Stadt

    Derzeit werden mit fünf Rädern die Bezirke eins bis neun angefahren. Bis Jahresende will Huber die ganze Stadt beliefern. Bis dahin sollen auch Logistik und Routenplanung nicht mehr mühsam händisch erfolgen, sondern mit einer App. „Ein Riesenprojekt“, an dem gerade gearbeitet wird. Am Ende soll jeder Fahrer mit Smartphone unterwegs sein, jeder Kunde sehen, wie nah sein Essen schon ist.

    Ebenfalls in Arbeit ist eine eigene Küche in der Mollardgasse, die gerade hergerichtet wird. In mittlerer Zukunft soll das nur eine von mehreren sein: „Ich will keine Großküche“, sagt Huber, sie plant mehrere dezentrale Küchen verteilt über die Stadt. Der zweite Bezirk wäre ein möglicher nächster Standort. Auf der Suche ist Huber auch nach einer rechten Hand. Derzeit hat sie 20-Stunden-Tage: „Es ist ein Knochenjob. Irgendetwas muss ich abgeben.“

    Auf einen Blick

    Rita bringt's ist ein vegetarisches Lieferservice, das heuer im Frühjahr von Rita Huber und Gerald Költringer gegründet wurde. Es gibt Hauptgerichte um sechs bis sieben Euro, Suppen, Salate und Süßes. Die Mindestbestellmenge beträgt zwölf Euro, kann aber auf mehrere Bestellungen pro Woche aufgeteilt werden. Bestellt werden muss am Vortag bis 16 Uhr, geliefert wird dann zwischen zehn und zwölf Uhr, auch im Winter. www.ritabringts.at

     

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